1. Georg Christoph Lichtenberg – eine Biografie

Georg Christoph Lichtenberg wurde am 1. Juli 1742 in Ober-Ramstadt bei Darmstadt geboren. Er wuchs in einer kinderreichen Familie auf. Als jüngstes von 17 Kindern und Sohn des Pfarrers Johann Conrad Lichtenberg entwickelte er, von seinen älteren Geschwistern angeleitet, bereits in seiner Kindheit ein starkes Interesse für die Astronomie. Bis zu seinem zehnten Lebensjahr wurde Lichtenberg, der zeitlebens an einer rachitischen Rückgratverkrümmung litt, in der Familie unterrichtet. Danach besuchte er bis 1758 das Darmstädter Pädagogium. Seinem Interesse für die reine und angewandte Mathematik ging er dort weitgehend im Selbststudium nach. Ausgestattet mit einem Stipendium des Landgrafen Ludwigs VIII. von Hessen-Darmstadt schrieb sich Lichtenberg 1763 für das Studium der Mathematik und Physik in Göttingen ein. Die gerade 25 Jahre alte Universität hatte sich mittlerweile zu einem Zentrum der europäischen Aufklärung entwickelt. Sein Lehrer dort – später Konkurrent und langjähriger Korrespondenzpartner – war der Mathematiker, Physiker und Astronom Abraham Gotthelf Kästner (1719-1800). Englische Sprache und Literatur hörte er bei John Tompson (1693-1768), dem ersten Professor für dieses Gebiet in Deutschland. Der Historiker Johann Christoph Gatterer (1727-1799) brachte ihm die Staatengeschichte Europas und Diplomatik nahe.

1769 wurde Lichtenberg zum außerordentlichen Professor ernannt und lehrte in Göttingen Mathematik und Astronomie.

Der Universitätsprofessor und Physiker Lichtenberg brachte es in Göttingen auf 1.000 Rthl Lehrgelder, weil seine Vorlesungen zur Experimentalphysik ereignisreich, unterhaltsam und unvorhersehbar waren: Von den an die 600 Experimenten pro Semester gingen auch manche schief.
1770 reiste Lichtenberg das erste Mal nach England, wo er einen Tag mit Georg III., einem begeisterten Hobbyastronomen, auf der Sternwarte von Richmond verbrachte.
Der Öffentlichkeit wurde der Wissenschaftler durch seine satirischen Beiträge bekannt, bevor er sich als Naturforscher internationalen wissenschaftlichen Ruhm erworben hatte. 1773 wandte er sich, noch unter Pseudonym (Conrad Phytorin) in einer Polemik gegen den Schweizer reformierten Pfarrer und Schriftsteller Caspar Lavater (1741-1801), der den Aufklärer und Juden Moses Mendelssohn (1729-1886) zur Konversion aufgefordert hatte. Auch Lavaters Physiognomik, seine Auffassung, körperliche Merkmale korrespondierten mit moralischen und geistigen Fähigkeiten, forderte Lichtenberg in seinem Fragment von den Schwänzen (1783, hier online abrufbar) zu einer Satire heraus, die Lavaters Annahmen ad absurdum führte.

1774 folgte seine zweite Englandreise, in deren Verlauf er unter anderem Joseph Banks, den Reisegefährten James Cooks und späteren Präsidenten der Royal Society kennen lernte . 1774 wurde ihm auch die Ehre zuteil, in die Königliche Sozietät der Wissenschaften in Göttingen aufgenommen zu werden. Dieses Privileg teilte er mit Wissenschaftlern wie Albrecht von Haller und Johann Friedrich Blumenbach. Der König war ihm zeitlebens wohlgesonnen und förderte seine Ernennung zum ordentlichen Professor 1775.

Von 1772 an bis zu seinem Tod 1799 wohnte Lichtenberg im Haus seines Freundes Dieterich, dem sogenannten Büttnerschen bzw. Prinzenhaus (heute in der Prinzenstraße). Dort hielt er auch seine Vorlesungen. Mit Dieterich war er freundschaftlich und durch gemeinsame verlegerische Projekte, wie den Göttinger Taschen Calender verbunden. Mit dem Weltreisenden Georg Forster gab er das Göttingische Magazin für Wissenschaften und Literatur heraus.

In der Physik ist Lichtenbergs Name vor allem mit den nach ihm benannten Lichtenbergschen Figuren verbunden, die sich aus Staub auf der Oberfläche einer elektrisch geladenen Isolatorplatte bilden. Die farnartigen Muster, die entstanden, belegten, dass positive und negative Elektrizität unterschiedlich erscheinen. Lichtenberg übernahm daraufhin die bereits von Benjamin Franklin eingeführten plus und minus als mathematische Zeichen. Die Entdeckung war ihm zufällig beim Abschleifen der Harzplatte seines Elektrophors gelungen, einer Apparatur, die statische Elektrizität speichern konnte. Sie war Teil der umfassenden Gerätesammlung, die Lichtenberg für seine Hauptvorlesung Experimentalphysik anschaffte.

Damals wie heute wird Lichtenberg mit einem Werk in Verbindung gebracht, der Ausführliche[n] Erklärung der Hogarthischen Kupferstiche (1794-1835). Hier, wie in seinen Berichten aus dem Londoner Verkehrsdickicht und über den berühmten Shakespeare-Darsteller David Garrick, vereinen sich scharfe Beobachtungsgabe mit seiner Sprachgewalt, Humor und der spürbaren Freude am Gegenstand: England. In Göttingen blieb der Kontakt nach England unter anderem dadurch erhalten, dass der Gelehrte von 1786 bis 1791 die drei englischen Prinzen betreute, die König Georg zum Studium nach Göttingen geschickt hatte.

Nach seinen Englandreisen hatte Lichtenberg Göttingen nur noch wenige Male für weitere Reisen (Hamburg und Helgoland 1778) verlassen. In Göttingen starb er am 30. Mai 1799. Dem Sarg folgten dem Zeugnis eines Studenten nach 500 Kommilitonen. Lichtenbergs Grab befindet sich auf dem Bartholomäus-Friedhof.

Seitenanfang


Quellen- und Literaturverzeichnis

  • Wolfgang Proß und Klaus Prießner: Georg Christoph Lichtenberg, in: Neue Deutsche Biographie, hg. v. der historischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 14. Bd., Berlin 1984, S. 449-464.